Arbeiten auf Leinwand

Über meine Arbeit

Meine Malerei ist wie ein Instrument, welches mich lehrt, wissentlich in die Irre zu gehen. Meine Malerei ist wie eine Kompaßnadel, die ständig in eine andere Richtung zeigt. Meine Malerei besteht aus übermalen, durcheinander malen , zerstören und untereinander malen, bis alles mir Bekannte verschwindet, und sich etwas Überraschendes bildet. Meine Arbeit bedeutet „über“ – arbeiten. Ich grundiere meine Leinwand mit einem mir bekannten Bildmuster, nur um diesen Grund – diese Grundierung – wieder verschwinden zu lassen. Ich beginne mit einer Vorstellung von einem Bild, manchmal habe ich einen flüchtigen Entwurf. Diese Vorstellung aber platzt wie ein Luftballon und ich betrachte die leere, tote Hülle eines Bildes. Erst wenn dieser Moment da ist, erst wenn meine Vorstellung oder Idee restlos zugrunde gegangen ist, habe ich das Gefühl, zu arbeiten. Erst dann, wenn mein Bild in die Not gewendet wird und dann, wenn eine wirkliche Notwendigkeit besteht, überhaupt zu malen, erst dann arbeite ich wirklich. Der Weg in die Irre liegt mir näher, als  der Weg zur vermeintlichen Wahrheit. Ein Fehler scheint mir wahrscheinlicher und richtiger, als ein geglückter Pinselstrich. Ich habe die Vorstellung und den Wunsch, immer ein Anfänger zu sein, weil ich das Anfängerglück so liebe. Ich möchte das malen, was ich nicht kann! Wenn ich etwas nicht kann, finde ich es gut und interessant, diese Sache zu lernen. Meine Bilder bezeugen meine Unentschlossenheit, mein Zögern und Zaudern. Für mich ist jedes Bild nur ein Bild von dem Ort, wo vielleicht die Malerei zu finden sein könnte. Diesen Ort der Malerei gibt es mit einer Fülle von wahrscheinlichen Bildern. Wenn ich diesen Ort der Malerei ohne in die Irre zu gehen immer wieder auf Anhieb finden würde, hätte ich überhaupt keinen Grund, diesen Weg malend zu erforschen. Meine Bilder sind meine Wegweiser und Markierungen auf meinem Wanderweg zum Ort der Malerei. Immer wünsche ich, meine eigenen Markierungen wieder zu finden, aber wenn ich dann einen meiner eigenen Wegweiser benutzen will, und dem Weg folge, gehe ich in die Irre. Also kann ich genauso gut, direkt in die Irre gehen. Diese Irre leitet mich. Unvermutet lichtet sich dann der Wald und manchmal stehe ich am Ort der Malerei.Ich weiß nicht genau, wie meine Bilder aussehen. Aber ich weiß, wie sie sich anfühlen müssen und ich weiß, wie sich die Bilder in der Kunstgeschichte anhören, ich kenne den Klang von Malerei.